Die schönsten Bilder unserer Reise gibt es auf Flickr.
In vier Stunden starten wir in unser nächstes Abenteuer: Japan! Von Berlin aus fliegen wir über Katar in reichlich 18 Stunden nach Japan. Wir fliegen mit Qatar Airways und ich hoffe wirklich, dass die besseren Tomatensaft als Air Berlin oder Germanwings haben, und vor allem mehr Beinfreiheit! Die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Japan beträgt +7 Stunden. Wir fliegen also in die Zukunft und landen um ca. 23:30 Uhr (lokaler Zeit) in Tokyo. Dort bleiben wir die ersten Tage, erkunden die Stadt, und machen uns mit den überfreundlichen Japanern vertraut. Auf der Karte ist unsere geplante Reiseroute eingezeichnet. Hauptsächlich werden wir per Zug mit dem superschnellen Shinkansen (bis zu 320 km/h) reisen. Dafür haben wir uns eine Flatrate im Form eines Japan Rail Passes gegönnt. Das ist so eine Art “Ich darf alles fahren”-Karte, die das ganze Unterfangen preislich recht erträglich macht.

Für 17 Tage ist das dennoch ein ganz schönes Programm, was wir da abspulen wollen. Aber wir wollen ja schließlich auch ein bisschen was erleben. Ich werde versuchen hier jeden Abend ein paar Bilder hochzuladen und ein paar Zeilen zu schreiben. Also viel Spaß beim Lesen und bis die Tage!
Tag 1 - Tokyo: Next Level City
Erste Erkenntnis des Tages: Berlin ist ein Dorf. Wenn man es ganz genau nimmt, ist das ja nicht mal der erste Tag unserer Reise - den haben wir einfach nur mit Fliegen verbracht. Dabei ist Qatar Airways echt zu empfehlen, der Service ist nett, die Flugzeuge modern und auch sonst gab es keinerlei Probleme. Dabei ist es aber eigentlich egal mit welchem Flugzeug man fliegt, 16 Stunden in der Economy Class fliegen nervt jeden irgendwann.
Wir sind 23:40 Uhr in Tokyo gelandet und mussten uns dementsprechend schnell organisieren, um die letzte Monorail in die Stadt zu bekommen. In unserem neuen Zuhause auf Zeit, dem Granbell Hotel Shinjuku, fehlt es uns an nichts. Das Hotel liegt mitten im sehr lebendigen und modernen Viertel Shinjuku. Mit seinem recht engen, mit Geschäften und Restaurants vollgestopften, Straßen und dem übermäßigen Einsatz von Reklameschildern ist Shinjuku für Menschen, die Berlin für eine “Großstadt” halten, ganz schön gewaltig.

Nachdem wir unseren Jetlag einigermaßen weggeschlafen haben, ging es am späten Mittag zu allererstmal Internet in Form einer japanischen SIM-Karte organisieren. Das ging überraschend einfach, denn was wollen mit Kamera bewaffnete Touristen auch sonst in einem Elektrofachgeschäft in Japan kaufen?

Anschließend ging es nach Shibuya, das man vielleicht am ehesten als Geschäftsviertel bezeichnen kann. Dort findet sich auch einer der am stärksten frequentiertesten Kreuzungen der Welt (in Tokyo gibt es auch Zebrastreifen, die Diagonal über die Straße führen). Von dort aus ging es gemütlich spazierend und hier und da mal in einem Geschäft stöbernd Richtung Yoyogi-Park.

Und von Parks verstehen die Japaner wirklich was. So schön angelegt, sauber und ruhig - da kann höchstens der Görli in Berlin mithalten. Für dem im Park gelegenen Meji-Schrein war es aber leider schon zu spät, sodass wir stattdessen noch ein wenig durch die “Touristenstraßen” spaziert sind. Am Abend haben wir uns zur Aufgabe gemacht echt leckeres Abendessen zu finden. Das Ikinari Steakhouse klang dabei recht vielversprechend - ist ja schließlich “Steak” im Namen enthalten.

Und die Leute im Ikinari Steakhouse sind echt clever: Die wissen natürlich das ihre Steaks zu den Preisen Weltklasse sind und haben daher im ganzen Laden einfach mal die Stühle weggelassen. Im Stehen essen ist vielleicht erstmal gewöhnungsbedürftig, macht aber aus geschäftsmännischer Sicht Sinn. Wer will schon das sich die ganzen Japaner im Laden für Stunden “festtrinken”, wenn man ein Steak pro Stehplatz aller 20 Minuten verkaufen kann?
Am Abend gab es noch einen Absacker auf der hoteleigenen Dachterrasse inklusive atemberaubenden Ausblick über die Skyline Shinjukus (naja ist in den Cocktailpreisen sicher schon mit eingerechnet gewesen).

Tag 2 - Tokyo: Biosauna inklusive
Es gibt wohl doch so etwas wie einen Biorhythmus: Wir waren heute bereits um 5:00 Uhr morgens wach und quasi zu allem bereit. Ein gemütliches Bett ist aber dann doch zum Glück über jeden Biorhythmus erhaben. In Tokyo sind es tagsüber gerade 34° im Schatten bei ca. 55% Luftfeuchtigkeit - das ist in der prallen Sonne einfach nicht aushaltbar. Deshalb starten wir unsere Tage absichtlich spät, um länger etwas von der angenehmen Abendluft zu haben.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen führte uns unser Weg wieder in den Yoyogi-Park, um den Meiji-Schrein zu erkunden, den wir gestern aus Zeitgründen nicht mehr geschafft hatten. Breite Straßen, überdacht von Blattwerk, und mäßig vielen Menschen, machten den Spaziergang zum Schrein sehr erholsam. Und der Schrein selbst: Nun ja man kann sich schon dafür begeistern, dafür müsste man sich aber mit den Hintergründen der Shintō-Religion beschäftigten, die tief in der japanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Tut man das nicht, bleibt eben nur noch die Architektur übrig, die man in wenigen Minuten gesehen hat - für mich ist das aber vollkommen in Ordnung.

Mittlerweile war es auch schon Nachmittag und wir wollten vor dem Besuch des Tokyo Skytree - unserem Highlight des Tages - unbedingt noch eine Sehenswürdigkeit besuchen. Da wir ohnehin gerade im Shintō-Vibe waren, bot es sich an, gleich noch einen weiteren Schrein zu besuchen. Der Asakusa-Schrein ist der älteste und bedeutendste Schrein Tokyos, was sich durchaus auch an der touristischen Infrastruktur bemerkbar macht. Unzählige Marktstände säumen die Zufahrtswege, was schon ein krasser Kontrast zum naturbelassenen Meiji-Schrein war. Die Architektur war auch hier interessant und abwechslungsreich - eben genau so wie man sich japanische Tempel so vorstellt. Die Sonne stand mittlerweile tief genug um Spaziergänge durch die Tempelanlage und die engen Gassen erträglich zu machen.
Deshalb entschieden wir uns auch die 30 Minuten zum Tokyo Skytree zu laufen. Den kann man mit seiner 634 Meter hohen Spitze ja ohnehin nicht übersehen. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass es im Wesentlichen drei verschiedene Varianten von Tickets gab:
- A.) Tickets für clevere Menschen die schon Wochen im vorraus online reservieren
- B.) Tickets für Menschen die nicht wussten, dass man online reservieren kann und sich daher eine Stunde lang an der Tageskasse anstellen
- C.) Tickets für naive Ausländer, die besonders teuer sind, dafür aber immerhin keine Wartezeiten beinhalten
Wir haben uns mangels weiterer Optionen für Variante C entschieden und haben es nicht bereut:

Nachdem wir die atemberaubende Aussicht hinreichend bewundert haben ging es total ausgehungert und erschöpft, von der drückenden Hitze draußen und den kühlschrankartigen Temperaturen drinnen, ins Anime- und Manga-Viertel Akihabara. Körper und Geist liefen schon längst im Lebenserhaltungsmodus, als zwischen den unzähligen Reklametafeln ein gelbes M auf roten Hintergrund auftauchte und neue Energie in uns aufkeimen ließ. Die Burger waren im Vergleich zu den hiesigen Filialen des M-Konzerns erbärmlich klein und die Auswahl gewöhnungsbedürftig, aber es reichte, um unsere Lebensgeister wiederzuerwecken. Anschließend gab es noch einen kleinen Nachtisch, bevor es leider ohne groß das Viertel erkundet zu haben, aufgrund totaler Erschöpfung zurück ins Hotel ging. Da müssen wir wohl morgen gestärkt nochmal hin.

Tag 3 - Tokyo: Electrifying City
Eigentlich stand heute ein Tagesausflug zum Berg Takao-san, dem Hausberg Tokyo’s, an. Da uns Tokyo aber gestern völlig erschöpft zurückgelassen hat, wollten wir es heute ruhig angehen lassen - nun ja das war zumindest der Plan. Wir haben unseren Tag da begonnen, wo er gestern aufgehört hat:

Im Anime-Manga-Technik-Verrückten-Viertel Akihabara. Dort haben wir uns ein paar Stunden Zeit gelassen, um die vielen Geschäfte zu erkunden. Neben den vielleicht noch normal anmutenden, sich über viele Etagen erstreckenden Manga- und Animeshops, in denen es wirklich alles zu kaufen gibt, was dieser Mikrokosmos zu bieten hat, gibt es auch einige “Geschäfte” der besonderen Art. Und nein ich meine keine Pornoläden, aber ja die gibt es dort auch. Worauf ich hinauswill sind Spielhallen, in denen hunderte Automaten aneinandergereit stehen und von denen jeder lautstark eine andere Melodie ertönen lässt. Das ist in etwa so, als würde man im Kindergarten den einzigen Lolli vor einer Rasselbande Dreijähriger essen und anschließend sagen das Weihnachten dieses Jahr ausfällt. So grausam sich das auch anhören mag, es gibt tatsächlich Japaner, die das anscheinend echt gut finden und dort den ganzen Tag verbringen.

Für mich schon eher interessant, waren die Technikläden, wie zum Beispiel Yodobashi Camera, die sich wohl am ehesten mit unseren Saturn- oder Mediamärkten vergleichen lassen. Dort gab es vor allem Kameratechnisch einiges auszuprobieren, was meinen Wunsch nach einem besseren Objektiv für unsere Sony Alpha 6000 bestärkte.

Anschließend ging es nach Odaiba, eine künstliche Insel in der Bucht von Tokyo. Als beliebtes Unterhaltungs- und Einkaufsgebiet war Odaiba unerwartet ein Ort der Ruhe und Gelassenheit. Weitläufige Parkanlagen, ein echter Sandstrand, entspannte Japaner - alles das, was ich an Tokyo bisher so sehr vermisst habe. Von Odaiba über die Bucht von Tokyo führt die Rainbow Bridge, die meiner Meinung nach nicht an einem Regenbogen erinnert, aber seht selbst.

Der Blick vom Strand, an dem gerade tausende kleine Teelichter brannten, war sehr romantisch und lud zum Verweilen ein. Die Energie, die wie dort getankt haben, brauchten wir auch, denn gefühlt alle Japaner wollten zur selben Zeit wieder Richtung Tokyo, was soviel wie 30 Minuten stehen in der Kühlschrank-Bahn bedeutete. Da war die Ruhe und Gelassenheit schlagartig wieder weg und Tokyo hat uns wiedereinmal total fertig am Hotel ausgekotzt.
Tag 4 - Escape Tokyo
Ausgeruht ging es mit dem Zug zu unserem ersten Tagesausflug in die kleine Stadt Kamakura. Kamakura ist ein grüner, ruhiger Ort in der Präfektur Kanagawa außerhalb von Tokyo (ca. 50 km).

Viel hatte der Bahnhof vom Kamakura-Kita nicht zu bieten. Es gab zwei Bahnsteige, die obligatorischen blinkenden Getränkeautomaten und eine kleine Bahnhofshalle mit Fahrkartenbuchte. Den Magen bereits in den Kniekehlen ging es zuallererst, ganz Jäger- und Sammler-Manier, auf Nahrungssuche. Unscheinbar und von außen nicht als solches zu erkennen führte uns unser Weg in ein kleines japanisches Restaurant mit dem klangvollen Namen Kyorai-an. Hier gab es einen köstlichen Rindereintopf, der uns traditionell auf einem Tatami-Flor, auf dem Boden sitzend, serviert wurde. Der Eintopf war unglaublich lecker und teuer. Umgerechnet 25 Euro pro Nase hat das Ganze zu Buche geschlagen - Japan ist eben ein sehr teures Land und alle Gerichte mit Fleisch (außer Hühnchen) sowieso. Die junge, nette Kellnerin und wahrscheinlich Tochter des Hauses, fragte uns im Laufe unseres Aufenthaltes nach unserem Herkunftsland. Dabei stellte sich heraus, dass sie einige Zeit in Deutschland gelebt und sogar in Berlin gearbeitet hatte. Das Eis war nun gebrochen, zum Abschied stand die ganze anwesende Familie Spalier, winkte uns, und freute sich völlig euphorisch als wir uns in der Landessprache für das leckere Essen bedankten und uns verabschiedeten.


Gestärkt ging es nun zu dem eigentlichen Programmpunkt des Tages: Wandern. Und was braucht man so zum Wandern? Richtig einen Wanderweg. Den zu finden war etwas kompliziert und wir haben uns heillos verlaufen. Aber der Umweg von ca. 40 Minuten wäre gar nicht so schlimm gewesen, wenn es nicht schon wieder 34 Grad im Schatten gehabt hätte. Der Ausblick, die Landschaft, die Flora und Fauna, das alles war schon etwas Besonderes und genau nach unserem Geschmack. Nach einer kleinen Pause, in einem plötzlich auftauchenden hübschen Café mitten im Wald, war dann auch der Ende des Wanderwegs nach ca. zwei Stunden auf einmal ganz nah. Das Ende des Wanderweges markiert der buddhistische Tempel Kōtoku-in. Er beherbergt den großen Buddha (jap. 大仏 daibutsu). Nun ja wir haben ja in Thailand bereits Erfahrungen mit großen Buddha’s gemacht und der Daibutsu kommt aufjedenfall unter die Top 3.

Nach wohlverdienter Pause, mehreren High-Fives und einem kleinen Bummel im Souvenirshop, ging es auch schon schnellen Schrittes zurück zum Bahnhof “Hase” und über Kamakura zurück nach Shinjuku.
Wir ließen den Abend bei 500 Gramm importierten Rib-Eye-Steak und einem feinen Glas Wasser im Ikinari Steakhouse ausklingen. Die Betonung liegt hier auf importiert, denn nur das lokale Fleisch aus Japan, wie zum Beispiel Kobe- oder Wagyu-Rind, ist unendlich teuer.
Tag 5 - Hakone: Irgendwo im Nirgendwo
Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer. Heute brachen wir unsere Zelte in Tokyo ab und machten uns auf den Weg nach Hakone. Hakone (jap. 箱根町, -machi) ist eine Kleinstadt und liegt knapp 100 Kilometer außerhalb von Tokyo, im gebirgigen Vorland des Fujisan, inmitten des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks. Gebirgiges Vorland bedeutet für uns, dass wir uns nicht nur auf die sehr zuverlässige Bahn in Japan verlassen können, sondern das erste mal Bus fahren müssen, um unser Ziel, das Hotel Laforet Club Hakone, zu erreichen. Das hat aber erstaunlich einfach funktioniert, da sich an den meisten größeren Bahnhöfen Touristeninformationsschalter befinden. Dort erkennt man quasi schon an der Gangart und dem hilflosen Innehalten, woher man kommt und wohin man will.
Es hat gerade angefangen kräftig zu regnen, als wir es uns im Bus gemütlich gemacht haben. Und jetzt haltet euch fest: Sogar der hinterletzte Provinzbus hat in Japan Internet via WiFi. Einige hundert Höhenmeter und Steilkurven später hat uns der Busfahrer an einer unscheinbaren Bushaltestelle mitten im Nirgendwo rausgelassen - okay so sieht also Hakone aus. Google Maps zeigte uns 11 Minuten Fußweg bis zum Hotel an und glücklicherweise ging es ausschließlich bergab. In Hakone war es bis auf das omnipräsente zirpen der Singzikaden mucksmäuschenstill. Wenig Verkehr, quasi keine Menschen auf den Straßen und alles irgendwie so als wäre der Ort vor 30 Jahren das letzte mal modern gewesen. Im Hotel angekommen mussten wir unsere Schuhe noch vor der Rezeption ausziehen und einschließen. Im ganzen Hotel läuft man entweder barfuß oder in Socken (die in allen möglichen Farben auch vom Hotel zur Verfügung gestellt werden). Das ist in Japan nicht ungewöhnlich, aber anfangs doch irgendwie seltsam. Unser Zimmer war gefühlt viermal so groß, wie das Zimmer, dass wir in Tokyo hatten und im japanisch-westlichen Stil gestaltet. Das bedeutet: Reismatten, Sitzkissen auf dem Boden, kleiner Tisch in der Mitte und super bequemes Kingsize-Bett.

Da es draußen immer noch in Strömen regnete, verbrachten wir den Nachmittag ganz gemütlich bei Tee, einem Buch und Serien (wer feiert die siebte Staffel Game of Thrones auch gerade so wie ich?). Aber irgendwann müssen auch die willensstärksten Jäger und Sammler wieder auf Nahrungssuche gehen und in dieser Hinsicht war Hakone an diesem Abend einfach unser Endgegner. Jedes von den gefühlt vielleicht zehn Restaurants in der Stadt hat am Dienstag einfach mal Ruhetag. Was ja auch kein Problem wäre, wenn man es vorher irgendwo lesen könnte und nicht eine Stunde auf und ab durch den Ort marschieren müsste, um diese Erkenntnis zu erlangen. Meine Laune war den ganzen Urlaub noch nie so mies und fast wollten wir uns aus lauter Frust und Hunger schon das 50 Euro Abendessen im Hotel gönnen. Aber der Sparfuchs in mir fand mit den allerletzten Reserven doch noch ein kleines japanisches Restaurant. Um es kurz zu machen: Es war sehr preiswert, aber ich hasse japanisches Essen.
Am späten Abend habe ich noch - als mein persönliches Highlight des Tages - ein im Hotel gelegenen, traditionell japanischen, Onsen besucht. Ein Onsen (jap. 温泉, heißes Wasser) ist die japanische Bezeichnung für eine heiße Quelle. Klingt erstmal gar nicht so spektakulär, ist es prinzipiell auch nicht. Stellt euch einfach einen 45 Grad heißen Whirlpool ohne Blubberblasen vor, der aus einer natürlichen (in diesem Fall sehr schwefelhaltigen) heißen Quelle gespeist wird. Natürlich geht entspannen in Japan aber nicht einfach so, zumindest nicht ohne den japanischen Reinheitskult zu (durch)leben. Waschritual, und zwar gründlichst, ja nichts irgendwo verschmutzen und Gott bewahre das Onsenwasser nicht mit Seifenrückständen verunreinigen. Das war schon ein Erlebnis und auch wirklich sehr entspannend, aber mit dem ganzen Drumherum kann ich einfach nicht viel anfangen.
Tag 6 - Faule Eier

Nach einer sehr erholsamen und vor allem ruhigen Nacht in Hakone, kamen wir an diesem Morgen in den Genuss eines Buffet-Frühstücks im Hotel. Das Buffet war recht überschaubar und voll auf japanische Gäste abgestimmt. Nun ja jetzt weiß ich zumindest, dass ich auch japanisches Frühstück nicht mag. Nach dem Frühstück war es schon wieder an der Zeit unsere Sachen zu packen, denn wir hatten nur eine Nacht in Hakone gebucht. Wir ließen unser Gepäck an der Rezeption, um bis zum Nachmittag die Gegend zu erkunden, denn das Wetter zeigte sich heute von seiner Sonnenseite. Geplant war ein Ausflug auf den 1.438 Meter hohen Mount Hakone (jap. 箱根山 Hakoneyama). Der Berg ist ein noch aktiver Vulkan, der über eine Seilbahn zu erreichen ist. Bis zur Talstation der Seilbahn mussten wir aber erst einmal mit der Kabelbahn den Ort hinauf fahren.
An der Talstation angekommen, kauften wir uns Tickets für eine Fahrt auf den Berg und auf der anderen Bergseite hinunter zum Lake Ashi. Es waren vorwiegend japanische Touristen unterwegs und das zum Glück auch nicht in riesigen Reisegruppen, sodass wir schnell eine Gondel besteigen konnten. Die Aussicht genießend und erwartungsvoll Richtung Gipfel schauend hatten wir Zeit für ein paar schöne Fotos der Umgebung. Dann fuhr unsere Gondel über den von unten noch nicht zu erkennenden Kraterrand des Vulkans und gab den Blick auf die Schwefelfelder frei. In rauen Mengen dampfte hier Schwefel aus Erdspalten und ließ durch die dabei entstehenden Ablagerungen weite Teile des Kraters in Gelb-Braun leuchten.


Jetzt wussten wir auch warum wir beim Einstieg feuchte nach Zitrus riechende Tücher bekommen hatten. Der ganze Berg stank aufgrund des Schwefels nach faulen Eiern. An der Gipfelstation angekommen nahmen wir uns etwas Zeit, um uns umzuschauen, denn schließlich sieht man ja nicht alle Tage einen aktiven Vulkan. Danach fuhren wir mit der Seilbahn hinab zum weitläufigen Lake Ashi, der sich zwischen den bewachsenen Bergen von Hakone entlangschlängelt. Viel Zeit hatten wir nicht den Lake Ashi zu erkunden, denn am Nachmittag war es Zeit in das 400 Kilometer entfernte Kyoto, dem nächsten großen Zwischenstopp unserer Reise, aufzubrechen. Zurück im Hotel mussten wir den Weg, den wir gestern von der Bushaltestelle nur bergab gelaufen sind, nun bergauf laufen. Das brachte unseren Kreislauf so richtig auf Touren. In Odawara angekommen war die Zeit nun richtig knapp, wir hatten nur noch vier Minuten Zeit um unseren Superexpress Shinkansen nach Kyoto zu erwischen und keinen Schimmer wo genau der Abfährt. Anni hatte die richtige Intuition und so schafften wir es wirklich noch in aller letzter Sekunde in den Zug zu sprinten, als auch schon die Türen zugingen. Puh das war echt richtig knapp, wir versicherten uns nochmal, ob wir auch wirklich den richtigen Zug erwischt hatten und machten es uns für die ca. dreitündige Fahrt bequem. Mit dem Shinkansen zu fahren ist wirklich ein Erlebnis für sich, die Landschaft rast mit 270 km/h an einem vorbei und man spürt im Zug davon fast nichts.
Wir kamen erst am Abend in Kyoto an und waren direkt erstaunt über den Platz und die entspannte Atmosphäre, den die Stadt ausstrahlte. Was wir an unserem ersten Tag in Kyoto so erlebt haben und ob sich unser erster Eindruck bestätigt hat, erfahrt ihr dann Morgen.
Tag 7 - Kyoto: Die Stadt der Tempel und Geishas
Endlich mal wieder richtig ausgeschlafen. Nach dem riesigen Hotelzimmer in Hakone haben wir in Kyoto wieder ein für Japan übliches Minizimmer bezogen. Das muss aber nicht negativ sein, denn wir haben in unserem Hotel Gran Ms Kyoto trotzdem alles was wir brauchen und weil das Zimmer so klein ist, müssen wir nicht mal aufstehen, um an den Kühlschrank zu kommen. Der Tag begann für uns etwas später, da wir gestern Abend noch durch die Straßen Kyoto’s gebummelt sind. Aber auch bei Tag bestätigt sich unser Eindruck von Kyoto: Im Vergleich zu Tokyo ist die Stadt fast schon familiär. Breite Gehwege, Bäume an den Straßen, Bachläufe und Flüsse und nur wenige Hochhäuser, um nur mal die offensichtlichsten Unterschiede zu nennen.

Kyoto ist eine der geschichtlich und kulturell bedeutendsten Städte Japans und so bot es sich an am ersten Tag die Tempel und Schreine der Stadt zu besuchen. Da wir möglichst viel von der Umgebung sehen wollten, entschieden wir uns auf U-Bahn oder Bus zu verzichten und möglichst alle Strecken zu Fuß zu gehen. Unser Hotel liegt nahe dem Ausgehviertel Gion, das zwischen uns und den unzähligen Tempeln im Osten der Stadt liegt. Überall hängen Laternen an den Häusern und Geschäften und man begegnet sehr oft Japaner, die in traditionellen Kimonos durch die Straßen flanieren. Da kommt schon echtes Japanfeeling auf. Auch den ein oder anderen Blick auf eine Geisha konnten wir erhaschen, die aufgrund ihrer weißen Gesichter nur unschwer zu erkennen sind.

Am Yasaka Tempel angekommen staunten wir nicht schlecht über die wirklich schön angelegten Gärten und die sehr gepflegte Anlage. Was den kulturellen Mehrwert angeht: Wir haben keine Ahnung und interessieren uns ehrlich gesagt auch mehr für die Architektur und die Atmosphäre. Man kann unser Vorhaben vielleicht am ehesten als Tempelhopping beschreiben: Hier und da ein paar schöne Fotos, eine kurze Pause und dann weiter zum nächsten Tempel spazieren. Da kommt man schonmal auf 25.000 Schritte am Tag. Unsere letzte Station war der Tempel Nanzen-ji, der im Abendlicht ein wirklich wunderbares Fotomotiv abgab. Der eindrucksvolle mehrstöckige Eingang, getragen von dicken Baumstämmen und auf einem Sockel gebaut, war schon ein imposanter Anblick. Wir haben auch hier ausgiebig das Gelände erkundet und einen ausgedehnten Spaziergang durch die weitläufige Anlage und den angrenzenden Wald genossen.


Jetzt wurde es langsam höchste Zeit fürs Abendessen und da etwas Preiswertes und Essbares zu finden, ist in Japan eine Katastrophe. Die Restaurants die gut bewertet und bezahlbar sind, sind immer prall gefüllt und nur über Wartelisten zu betreten. Das nervt tierisch, weil ein gutes und preiswertes Abendessen schon viel zum Abschluss eines sonst wirklich schönen Tages beigetragen hätte. Wir sind am Ende in einem japanischen Barbecue-Restaurant gelandet. Hier gibt es verschiedene Sorten rohes Fleisch und Beilagen auf einem Teller, das man sich dann auf einem Gasgrill selber zubereitet (quasi wie Raclette). Versteht mich nicht falsch, das Fleisch war wirklich gut und auch die Auswahl an verschiedensten Fleischsorten mehr als ausreichend, aber die Portionen sind für die Preise einfach immer zu klein und am Ende ist man jedes mal mindestens 50 Euro los (für zwei Personen). Wir ahnen schon, dass das in den nächsten Tagen noch zu einem größeren Problem werden könnte.
Tag 8 - Stadt, Bambus, Fluss
Abwechslung wird bei uns groß geschrieben und so ging es heute mal wieder etwas weiter raus in den Außenbezirk Arashiyama. Mit einer kleinen Bimmelbahn, die wohl am ehesten mit einer Tram in Berlin zu vergleichen ist, fuhren wir gemächlich Richtung Endhaltestelle Arashiyama. Es war wiedereinmal brütend heiß und am Bahnhof wurde deshalb mithilfe von ein paar Gartenschläuchen Sprühregen simuliert, um vor allem den Touristen wenigstens ein bisschen Abkühlung zu verschaffen. Auch die Gehwege wurden mit Gießkannen bewässert um zumindest die Hitze, die vom Asphalt ausging, zu reduzieren. Half aber alles nichts, zwei Minuten in der prallen Sonne und man war reif für eine Abkühlung in einem der zahlreichen Souvenirshops. Die ein oder andere “Ich will hier mal schnell reingucken”-Unterbrechung in Kauf nehmend, nahmen wir Ziel auf die erste Sehenswürdigkeit, die Holzbrücke Togetsukyō. Wir wissen nicht genau wie alt die Brücke ist, aber ein paar hundert Jahre aufjedenfall. Die Brücke überspannt den Katsura River auf einer Länge von schätzungsweise 200 Meter und gibt mit dem Mount Arashiyama im Hintergrund ein malerisches Fotomotiv ab.


Die Brücke überquert, hätten wir die Gelegenheit gehabt gegen Geld ein paar wild lebende Affen zu bestaunen. Da wir das in Thailand aber schon zu genüge und obendrein auch noch kostenlos getan haben, entschieden wir uns stattdessen für einen Spaziergang entlang des Flusses. Trotz der Hitze ist es in Japan gerade sehr feucht und so überstrahlt jeder Baum den anderen mit einem noch kräftigeren Grünton. Und eines muss man den Japanern auch mal lassen, egal welche Wege man nimmt, alles ist immer top gepflegt und aller paar hundert Meter gibt es die millionenfach in Japan verteilten Getränkeautomaten. Nachdem wir uns am Fluss satt gesehen hatten, ging es weiter zu einem Bambuswald. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich hatte mir Bambus immer als schilfartiges Gewächs vorgestellt, das vielleicht zwei bis drei Meter hoch wird, aber nicht als Baum der zehn Meter und höher wächst. Wieder etwas gelernt: Bambusbäume wachsen offensichtlich so hoch und dazu noch viel dichter und ohne all das Unterholz, dass man aus unseren Wäldern so kennt. Durch die dicht an dicht stehenden Bambusbäume drang kaum Licht in den Wald ein und so hatte man auf dem Weg das Gefühl, wie in einem Tunnel zu laufen. Am Ende des Waldes angekommen nahmen wir einen großzügigen Umweg durch eine weitläufige Gartenanlage zurück zum Bahnhof. Das war ein wirklich gelungener Halbtagesausflug!

Zurück in Kyoto Downtown mussten wir uns aber jetzt wieder ernsthaften Problemen widmen: Abendessen stand auf dem Programm. In unseren bisherigen Urlauben freuten wir uns eigentlich immer auf diesen Programmpunkt, aber in Japan macht sich bei dem Thema echter Frust breit. Egal wie lange man vorher auf Tripadvisor und Co recherchiert, am Ende sind die bei den Touristen beliebten Restaurants total überfüllt und der Rest unheimlich teuer. Will man günstig essen, bleibt einem fast nur noch Fastfood als Alternative, was auf Dauer leider ziemlich deprimierend ist. Auch an diesem Abend sind wir ewig weit gelaufen für ein zugegebenermaßen ganz solides Rumpsteak mit Pommes, von dem ich hätte aber drei Portionen gebraucht um satt zu werden. Ich glaube wir hätten unser Essensbudget einfach viel großzügiger kalkulieren müssen…
Tag 9 - Von Burgen und Bahnhöfen
Unser dritter Tag in Kyoto stand wiedereinmal ganz im Zeichen von Sightseeing. Wahrscheinlich würde man mehrere Wochen damit verbringen jede Sehenswürdigkeit in Kyoto zu besuchen, aber unsere Zeit ist leider begrenzt und so müssen wir Prioritäten setzen. Auf unserer Liste sind noch ein paar wirklich lohnenswerte Ausflugsziele und so ging es nach einem ausgiebigen Mittagessen beim Ikinari Steakhouse um die Ecke Richtung Innenstadt, um die Burg Nijo zu besuchen. Aber halt, Ikinari Steakhouse? Um die Ecke? Und das, wo wir uns zwei Tage in Folge über das Essen beschweren? Auch wenn Ikinari vielleicht nicht unbedingt für ausgewogenes Essen steht, war es in Tokyo bereits zweimal unser Abendretter. Das wir die Filiale von Ikinari in Kyoto, die quasi direkt vor unserem Hotel liegt, nicht entdeckt haben, ist uns selbst ein Rätsel. Aber was solls: Endlich mal wieder so richtig lecker und preiswert satt gegessen.

Nun aber zurück zur Burg Nijo, an der wir mit prall gefüllten Bäuchen und glücklichen Gesichtern angekommen sind. Wer sich japanische Burgen, wie unsere europäischen Burgen vorstellt, liegt schonmal gar nicht so weit daneben. Es gibt Burgmauern, Burggräben, Türme, Ställe, Kasernen und natürlich den Sitz des Burgherren - in Japan waren das vor ein paar hundert Jahren die Shoguns. Wir wanderten also durch die grünen Gärten der Burganlage Richtung Residenz des Shoguns (nachfolgend als Holzhütte bezeichnet). Im Vergleich zu unseren mittelalterlichen Burgen, setzten die Japaner vor ein paar hundert Jahren viel auf den Rohstoff Holz. Quasi alles vom Sockel der Gebäude aufwärts ist aus Holz oder anderen leichteren Naturstoffen gefertigt. Am Eingang der Holzhütte mussten wir erstmal unsere Schuhe ausziehen, denn von hier aus ging es nur noch barfuß oder in Socken weiter. Irgendwas anfassen, Fotos oder Videos aufnehmen, Trinken, Essen, Husten oder Stolpern war in der Holzhütte strengstens verboten. Und so marschierte die Schar von Touristen brav einmal über den vorgegebenen Weg an den zahlreichen Räumen der Holzhütte vorbei. Die lassen sich alle recht einfach beschreiben: Reismatten auf den Böden, verschiedene Malereien an den Wänden und ansonsten ziemlich leer. Wir haben nicht in Erfahrung bringen können, ob die Burgherren in Japan vor ein paar hundert Jahren tatsächlich keine Möbel hatten, aber da sich die Verwaltung der Burg sogar die Mühe gemacht hat recht echt wirkenden lebensgroße Puppen in die Räume zu setzen, um zu verdeutlichen, wie das damals wohl so ausgesehen haben mag, gehe ich davon aus, dass Replikate von Möbeln aus der Zeit auch nicht so schwer zu realisieren gewesen wären. Hätten wir uns für ein paar hundert Yen mal einen Audioguide ausgeliehen, der hätte uns da vielleicht mehr drüber erzählt. Die Burgtour führte uns von der Holzhütte weiter zu einer weiteren inneren Befestigungsanlage, die nochmals durch einen Burggraben und Mauern gesichert war und von deren Turm aus wir einen Überblick über die komplette Anlage hatten. Was für eine fabelhafte Aussicht, nur leider hat ein Regentropfen, das vielleicht sonst schönste Foto des Tages vermiest.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter zum Bahnhof Kyoto. Nicht etwa als Zwischenstopp auf dem Weg zu irgendeinem Tempel, nein der Bahnhof war das Ziel - wir hatten nämlich gelesen, dass der Bahnhof echt sehenswert sein soll. Nachdem wir durch die kilometerlangen unterirdischen Shoppingcenter den Weg in das eigentliche Bahnhofsgebäude gefunden hatten, wussten wir, was mit sehenswert gemeint war. Der Bahnhof ist einfach gewaltig und lässt sich am ehesten mit dem Hauptbahnhof in Berlin vergleichen. Mit dem Unterschied, dass der Bahnhof Kyoto eher eine vertikal und nach außen offen angelegte Architektur besitzt, die mich etwas an das Sony Center am Potsdamer Platz erinnert.


Vom Erdgeschoss aus führten Rolltreppen über zehn Etagen hinauf zu den verschiedenen Ebenen des Bahnhofgebäudes. Terassenförmig angelegt konnten man von dort aus das geschäftige Treiben der Bahnhofsvorhalle beobachten. Ab dem sechsten Stock führte eine riesige Treppe, die der Potemkinsche Treppe in Odessa ähnelt, hinauf zu einer Gartenanlage im zehnten Stock, die den Namen “Sky Garden” wirklich verdient hat (die Japaner mögen “Sky” als Begriff der Superlative). Vom achten Stockwerk aus führte der “Skyway” unter dem Dach des Bahnhofs entlang zur gegenüberliegenden Seite. Der Ausblick von hier auf Kyoto und den nur ein paar hundert Meter entfernt liegenden Kyoto Tower war wirklich fantastisch - auch wenn es gerade stark angefangen hatte zu regnen. Das war ein schöner Kontrast zu den eher kulturlastigen vergangenen Tagen.

Am Abend haben wir uns dann noch einen riesigen Eisbecher genehmigt, der einfach mal doppelt soviel Kalorien hatte, wie er Yen gekostet hat. Angezogen hatte uns schon der Eingang des Ladens. In einem großen Schaufenster wurden mehrere Reihen Eisbecher in allen Geschmacksrichtungen oder -verirrungen (Eisbecher mit Schokoladeneis und Pommes) angeboten. Das eigentliche Highlight war aber ein riesiger Eisbottich für sage und schreibe 50.0000 Yen (385 Euro) - Japaner brauchen eben immer und überall ihre Superlativen.
Tag 10 - Tausend rote Torii

Unser letzter Tag in Kyoto begann wie gehabt um die Mittagszeit. Das hat praktische Gründe, denn bei der Hitze ist es einfach unmöglich den ganzen Tag durch Stadt und Land zu laufen und so haben wir auch mehr Energie für die angenehmeren Abendstunden. Eigentlich stand heute ein Ausflug in die altehrwürdige Stadt Nara an, aber um ehrlich zu sein hatten wir einfach keine Lust uns “nur” noch ein paar weitere Tempel anzuschauen. Damit haben wir Nara sicherlich Unrecht getan, aber der Plan war heut noch etwas Natur zu erleben und die ein oder andere schöne Aussicht zu genießen. Aber da unser Hotel nun mal mitten einer Millionenmetropole liegt, muss man erstmal ein paar Kilometer laufen, um den ganzen Trubel zu entkommen. Natürlich könnte man auch mit Bus oder Bahn fahren, aber dann würde man wie immer einiges links und rechts liegen lassen. Wie zum Beispiel einen ziemlich gut besuchten Wochenmarkt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich größere Menschenansammlungen, wenn es geht, lieber meide, vor allem wenn die sich noch durch kleine Gassen in einer leicht stickigen Umgebung drängen. Andererseits funktionieren Wochenmärkte in Japan nun mal so und die verschiedensten Frischwaren und Leckereien kann man eben am besten dort probieren.

Nach einem kleinen Mittagessen auf dem Markt liefen wir weiter zum Kiyomizu-Tempel am Ostrand der Stadt. Der Tempel liegt auf einem Berghang und das heißt für uns: noch mehr Schwitzen als sonst. Manchmal beneidet man da schon die Pauschaltouristen in ihren voll klimatisierten Reisebussen, die von Attraktion zu Attraktion kutschiert werden. Zwei Liter Wasser später und am Tempeleingang angekommen gab es erstmal ein obligatorisches High-Five auf unsere Wanderleistung. 800 Yen ärmer standen wir dann auch schon im Tempel, der offensichtlich gerade restauriert wurde, denn ein riesiges Gerüst und Planen umspannt den auf Stelzen errichteten riesigen Holzbau, von dem aus man normalerweise eine wunderbare Aussicht auf Kyoto genießen kann. Da es aber schon seit einigen Tagen stark bewölkt und diesig war, war unsere Sicht etwas eingeschränkt. Macht aber nichts, zumindest regnet es bisher ziemlich selten. Ein Rundgang führte uns wieder hinunter zum Eingang des Tempels, an dem wir den weiteren Tagesablauf planten.


Der führte uns zu einem doch außergewöhnlichen Ort in Kyoto. Am Bahnhof unseres nächstens Ziels angekommen bemerkten wir schon an den Menschenmassen, dass hier etwas Besonderes stattfinden musste. Es ist gerade kurz vor den Sommerferien in Japan und es finden immer öfter Veranstaltungen in der Stadt statt. So liefen wir durch eine Allee von Marktständen auf ein Meer von roten Laternen und einer Bühne mit lauter Musik zu. Der Vorplatz des Inari-Taisha Schreins war voll mit Menschen, die heute anscheinend irgendetwas zu feiern hatten. Der Schrein ist bekannt für seine tausend aneinandergereihten roten Torii (Holztore). Den roten Tunneln aus Holz folgend bestiegen wir (immer noch) schwitzend den Mount Inari. Um uns herum der raunende Wald und Links und Rechts immer etwas zu entdecken, haben wir den Aufstieg richtig genossen. Den letzten Teil der Route ließen wir dann aber aufgrund nun wieder aufkommender Erschöpfung weg. Der Weg zurück zum Hotel war lang und es wurde langsam dunkel. Bis hierher sind wir an diesem Tag bereits 15 Kilometer gelaufen.


Am Abend haben wir es dann auch mal in eines der angesagteren preiswerteren Restaurants geschafft. Der kleine Laden im Keller eines Gebäudes am Stadtrand hatte zehn Sitzplätze und wurde durch den Inhaber und seine Frau geführt. Eine schöne familiäre Atmosphäre kam auch auf, weil das Essen direkt vor unseren Augen bei einem Gläschen Wein zubereitet wurde. Da konnte ich es mir nicht nehmen lassen einmal Wagyu-Rind auszuprobieren, das teuerste Fleisch der Welt. 100 Gramm in der Qualitätsstufe A5 inklusive Beilage kosteten hier aber gerade einmal 1800 Yen. Okay satt wird man davon nicht unbedingt, aber für einen Fleischliebhaber war das gerade zu eine Offenbarung. Anni hatte eine Art Bratnudelpfanne mit Schinken und Schweinefleisch, die ausreichend groß war, um auch meinen verbliebenen Hunger zu beseitigen.
Tag 11 - Ortswechsel
Heute gibt es nur einen kurzen Blogeintrag, denn wir haben den halben Tag damit verbracht unser Lager in Kyoto abzubrechen und in das 360 Kilometer entfernte Hiroshima umzuziehen. Hiroshima ist eine größere Hafenstadt im Südwesten der japanischen Hauptinsel und wahrscheinlich jedem aus der jüngeren Weltgeschichte ein Begriff. Die Fahrt nach Hiroshima war dank der super pünktlichen und bequemen Shinkansen-Züge sehr angenehm. In den Zügen hat man extrem viel Platz und vor allem Beinfreiheit - da lässt es sich richtig gut schlafen. In Hiroshima angekommen mussten wir erstaunt feststellen, dass die Millionenstadt gar keine U-Bahn hat, was für japanische Großstädte schon eher ungewöhnlich ist. Stattdessen fahren in Hiroshima nur Straßenbahnen und Busse, die unsere Suica-Karten nicht akzeptierten. Das sind Karten, auf denen man Geld auflädt und die man dann für das Bezahlen im öffentlichen Nahverkehr verwendet - einfach Karte beim Startbahnhof über das Lesegerät an den Gates halten und beim Zielbahnhof dann noch mal. Das System erkennt dann, wie viel Stationen man gefahren ist und zieht den entsprechenden Betrag von der Karte ab. Das ist super einfach und zeitsparend und die Karten funktionieren zusätzlich auch noch für Getränkeautomaten und anderen Kleinkram. Aber eben nicht in Hiroshima, hier heißt es für uns noch mit echtem Bargeld zu bezahlen. Wir mussten aber ohnehin nur vier Stationen mit der Straßenbahn fahren und unser Hotel war schon von weitem zu erkennen, denn es ist augenscheinlich eines der höchsten Gebäude der Stadt. Die Dame an der Rezeption bot uns für 2000 Yen noch ein Upgrade auf die nächst bessere Zimmerkategorie an, was wir dankend annahmen. Denn wer hat nicht gerne von der Badewanne im sechzehnten Stock aus einen Blick über die Dächer einer Millionenstadt?

Auf dem Hinweg ist uns schon aufgefallen, das Hiroshima “anders” ist. Kaum Menschen auf der Straße, so gut wie keine Geschäfte oder Restaurants, alles irgendwie tot. Der Eindruck bestätigte sich dann später auch: Nur im Stadtkern und um den Friedenspark herum war ordentlich was los, ansonsten sieht man sehr viel Industrie, Wohn- und Verwaltungsgebäude und das ist nicht gerade schön anzusehen. Aber wir sind ja in erster Linie auch nach Hiroshima gekommen, um uns den Friedenspark und das Atombombenmuseum anzuschauen und um einen Ausflug auf die vorgelagerte Insel Miyjajima zu machen.
Tag 12 - Mit Rehen und Regen
Unser Tag in Hiroshima begann, wie der gestrige zu Ende ging: mit einem herrlichen Blick über die Stadt. Heute stand ein Ausflug auf die Insel Miyajima an, die etwa zwanzig Kilometer südwestlich von Hiroshima in der Seto-Inlandsee liegt. Die Insel ist bekannt für ihre zahmen und frei laufenden Wildtiere und einem Schrein, der am Strand im Wasser gebaut ist, und wie so vieles in Japan, ebenfalls Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist. In der Mitte der Insel thront der Berg Misen 535 Meter über den Meeresspiegel. Auf den Berg führen, neben einer Seilbahn, auch verschieden anspruchsvolle Wanderwege, von denen aus man am besten die Flora und vor allem Fauna der Insel erleben kann. Mit der Fähre ging es in nur 15 Minuten hinüber zur Insel, über der sich schon verdächtig dunkle Wolken gebildet hatten. Aber in Japan ist ja auch Regenzeit und von durchschnittlich zehn Tagen, die es im Juli regnet, haben wir erst einen abbekommen. Das bedeutet leider, dass die Chancen einen weiteren trockenen Tag zu erleben für uns nicht gut stehen.


Auf der Insel angekommen begrüßte uns direkt eine Herde wild lebender Rehe, die entspannt ein Nickerchen im Schatten machten oder den ein oder anderen Reiseführer von Touristen klauten und fraßen. Sonst sieht man solche Tiere maximal im Zoo oder in freier Wildbahn nur von Weitem, hier gehen die Tiere mit einem zusammen über die Straße und schlendern durch die Stadt. Da eine Insel ja bekanntlich von Wasser umgeben ist und im Wasser viele Meerestiere anzutreffen sind, war es nicht verwunderlich, dass die handvoll Restaurants auf der Insel allesamt Fisch und Meeresfrüchte anzubieten hatten. Austern sind zwar nicht unbedingt meine Leibspeise, aber frittiert kann man ja irgendwie alles essen. Gestärkt und bereit für den steilsten und schwierigsten aller Wanderwege fing es an zu regnen. Erst ein bisschen, dann ein bisschen mehr und später soviel das auch kein Regenschirm mehr geholfen hat. Hätte ich nur eine Badehose und ein Shirt zum Wechseln eingepackt, denn der Regen war so warm, dass es nicht unbedingt gestört hat, wenn man nass geworden ist, nur komplett durchnässt mit der Bahn zurück in die Stadt fahren wäre eher nicht so toll gewesen. Also musste der Regenschirm abhalten, was ging, um zumindest noch ein bisschen was der wirklich schönen Insel zu sehen. Dank der einsetzenden Ebbe hatten wir auch die Gelegenheit, bis zum Schrein ins Meer hineinzulaufen. Aber ganz so gelassen wie die Rehe, konnten wir dann doch nicht auf den zwar wieder schwächer werdenden aber anhaltenden Regen reagieren. Wir machten uns ziemlich durchnässt auf den Weg zurück zur Fähre, wohl wissend, wie viel die Insel bei schönem Wetter zu bieten hätte.

Morgen wollen wir dann das Friedensmuseum in Hiroshima und den Atombombendom besichtigen, bevor wir weiter nach Osaka fahren - hoffentlich dann wieder trocken.
Tag 13 - Tokyo + Kyoto = Osaka

Wie ihr den Titel dieses Eintrags vielleicht entnehmen könnt, ging es heute für uns weiter nach Osaka. Aber bevor wir den Weg zum Bahnhof angetreten haben, war es für uns an der Zeit ein etwas ernsthafteres Thema der jüngeren Weltgeschichte aufzuarbeiten. Mit einem Besuch im Friedensmuseum und dem Friedenspark in Hiroshima hatten wir die Gelegenheit einige zusätzliche Details zum Atombombenangriff im Jahr 1945 auf Hiroshima zu erfahren. Für mich persönlich war das, obwohl Bilder, Berichte und Hinterlassenschaften der Zeitzeugen und Opfern sehr eindrücklich waren, nicht so emotional, wie man das vielleicht erwarten würde. Mich haben solche Themen schon immer interessiert und irgendwann baut man dazu eine emotionale Distanz auf, die es einfacher macht sich mit den Fakten und Zusammenhängen zu beschäftigen. Deshalb waren insbesondere auch die Relikte und Geschichten der Zeitzeugen für mich sehr interessant, die man so in Dokumentationen noch nicht gesehen oder in Büchern gelesen hat.

Mit einem bedrückenden Gefühl ging es nach dem Museum, das direkt im Friedenspark liegt, Richtung Atombombenkuppel. Das Gebäude, das nur wenige Meter vom Epizentrum der Bombe entfernt lag, war eines der wenigen, das nicht vollständig zerstört wurde. Es ist heute als Friedensdenkmal nicht nur ein starkes Symbol der zerstörerischsten Kraft, die je von Menschenhand geschaffen wurde; es drückt außerdem die Hoffnung auf Weltfrieden und der endgültigen Beseitigung aller Kernwaffen aus und man muss nicht in Hiroshima gewesen sein, um zu erkennen, warum das notwendig ist…

Es war bereits früher Nachmittag als wir am Bahnhof in Hiroshima unseren Shinkansen Richtung Osaka bestiegen. Wie immer war die Fahrt mit dem Zug äußerst entspannt, so entspannt, dass ich mal wieder die ganze Fahrt lang geschlafen habe. In Osaka angekommen ging es mit der U-Bahn in den Distrikt Namba zu unserem Hotel Red Roof Plus. Namba ist ein Vergnügungs- und Geschäftsviertel, das selbst für eine japanische Supermetropole seines Gleichen sucht. Kilometerweit erstrecken sich hier die Shoppingstraßen ober- und unterirdisch in alle Himmelsrichtungen. Die schiere Anzahl an Geschäften und die Größe des Areals wird nur noch von Tokyo übertroffen. Gleichzeitig wird die Atmosphäre in Osaka aber auch durch Kanäle, breite Fußwege, echten Pflanzen und teilweise schön geschmückten Fassaden aufgelockert, was uns wiederum stark an Kyoto erinnerte. Mir ist das leider immer alles zwei Nummern zu viel: Den Trubel und die Konsumgeilheit der Japaner, empfinde ich eher als abstoßend.
Tag 14 - Kaiyukan
Die erste Nacht in Osaka war sehr angenehm. Das Zimmer nicht zu warm, nicht zu kalt, die Klimaanlage angenehm leise und das Bett genau die richtige Härte. Man muss an dieser Stelle einfach mal sagen, dass man sich auf die Bewertungen auf booking.com echt verlassen kann. Nachdem wir gestern Abend nur ein wenig die Umgebung rund ums Hotel erkundet hatten, ging es heute zu einer echten Attraktion Osakas: Das Kaiyukan (jap. 海遊館). Ihr fragt euch sicher, was das ist? Eines der größten öffentlichen Aquarien der Welt. Nun kann man ja von Aquarien halten was man will. Tierquälerei oder doch alles artgerecht? Ich würde mich da zwischen den Fronten positionieren und behaupten, dass es nicht sein muss, Delfine und andere intelligente Meeressäuger, die sich ihrer Situation sehr wohl bewusst sind, in winzigen Becken zu halten. Trotzdem muss man deshalb aber nicht gleich alles boykottieren.
Bevor es aber zum Aquarium ging, stand das leidige Thema Mittagessen auf dem Programm. Aber mit dem Unterschied, dass wir diesmal einen echten Volltreffer gelandet haben. Ein kleines Restaurant geführt von einem sympathischen Australier, der, wie er uns berichtete, auch schon mal ein paar Wochen in Hamburg gewesen ist, kredenzte uns das beste Chili con Carne, das ich je in meinem Leben gegessen habe. So günstig, so gut und auch noch so reichhaltig, der Traum jedes Sushi hassenden Touristen. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mir dort auch für die noch bevorstehenden Tage den Bauch vollgeschlagen.

Etwas benommen und schwerfällig von den riesen Portionen, waren es bis zum Aquarium zum Glück nur ein paar hundert Meter. Tickets gekauft und rein ins Vergnügen. Eine ewig lange Rolltreppe führte quasi bis unters Dach des Aquariums, wo eine kleine Tropenwelt die Heimat von Ottern, Bibern, Krebsen und vieler kleiner Fische ist. Von dort aus bewegt man sich über einen Rundgang immer tiefer ins Aquarium hinein. Haben wir zu Beginn die Otter noch über Wasser angeschaut, befanden wir uns eine Etage tiefer mit dem Kopf auf Höhe des Wasserspiegels des Beckens und konnte die wahnsinnig flinken Tiere auch Unterwasser bestaunen. So ging es immer weiter: Vorbei an riesigen Becken mit wirklich allen, was das Meer zu bieten hat. Delfine schossen an den dicken Aquariumsscheiben vorbei und eine Herde Pinguine bekam gerade ihr täglich Fisch. Bei so einer Vielfalt, weiß man gar nicht was man zuerst fotografieren soll. Ein paar Meter weiter erreichten wir dann das unglaublich große Hauptbecken und da waren sie dann auf einmal: Walhaie. Ihr ahnt nicht, wie majestätisch die vier Meter großen, planktonfressenden Riesenfische wirken, wenn sie gefühlte zehn Zentimeter von der Scheibe entfernt, an einem vorbeischwimmen. Aber da sagt mal wieder ein Bild mehr als tausend Worte:


Rings um das gewundene Hauptbecken herum führte uns der Weg immer tiefer bis zum Grund des Beckens. Links und rechts gab es immer etwas zu entdecken. Zum Beispiel Schildkröten, Mondfische und japanische Riesenkrabben um nur mal ein paar Highlights zu nennen. Wer sich für Meeresbiologie interessiert, kann hier bestimmt Tage ohne aufkommende Langeweile verbringen. Wir haben das Aquarium aber dann doch nach reichlich 2 1/2 Stunden, mit dem Gefühl wirklich etwas Besonderes erlebt zu haben, verlassen.

Da wir für diesen Tag nichts weiter geplant hatten, entschlossen wir uns noch zu einem spontanen Ausflug mit einem “echten” Piratenschiff durch den Hafen Osakas. Die Sonne stand bereits tief am Horizont und es wehte ein laues Lüftchen. Einfach perfekt, um den Tag so langsam ausklingen zu lassen. Nach einem Chili Cheese Fries Abendbrot und einem ausgiebigen Spaziergang, fielen wir zufrieden und erschöpft in unser Bett und bereiteten uns seelisch und moralisch auf die Rückkehr nach Tokyo vor.
Tag 15 - Back to Tokyo
Unser Japantrip neigte sich langsam dem Ende zu und es ist fast schon zur Gewohnheit geworden, dass wir uns zum Ende unserer Reise noch einmal ein richtig schönes Hotel leisten. Nicht, dass unsere Reise ins Land der aufgehenden Sonne, auch ohne etwas Dekadenz in bester Erinnerung bleiben würde, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Unsere Wahl fiel auf das Fünf-Sterne-Hotel The Prince Park Tower Tokyo, dessen Lage in unmittelbarer Nähe des Tokyo Towers und in Mitten eines ruhigen Parks, auf den ersten Blick etwas (mehr) Ruhe und Entspannung versprach. Im Hotel angekommen, waren wir etwas überrascht, wie viele Leute mit uns einchecken wollten. Das Warten vor der Rezeption hat sich aber gelohnt, denn wer genießt schon nicht gerne den Ausblick aus dem 34. Stock von einem Hotelzimmer größer als die eigene Wohnung.

Wir waren von der Anreise etwas geschafft und nach einem ausgiebigen Nickerchen ging es auf zu einer Entdeckungstour rund ums Hotel. Der Shiba Park ist ein kleiner, verwinkelter und, aufgrund der Nähe zum Tokyo Tower, eine bei Touristen beliebte Gelegenheit etwas Ruhe im sonst hektischen Treiben zu finden. Vor dem Zojoji-Tempel in der Mitte des Parks fand gerade eine Art Karnevalsveranstaltung statt. Viele tanzende und freudig erregte Japaner jeden Alters verliehen der Szenerie etwas familiäres und luden uns zum Verweilen ein. Das passte mir ohnehin ganz gut, denn hier gab es viele seltene Pokemon zu fangen und mein iPhone hatte immer noch viel zu viel Akku.
Nach einem mittelmäßig guten Abendessen bei einem kleinen indischen Restaurant um die Ecke und einem Absacker an der Hotelbar gingen wir früh ins Bett, um am letzten Tag unserer Japanreise noch einmal richtig was zu erleben.
Tag 16 - Last but not least: Roppongi Hills
Heute um Mitternacht sollte unser Flug zurück nach Berlin gehen. Es blieb also noch ein ganzer Tag, um ein etwas unbekannteres Viertel Tokyos zu erkunden: Roppongi (jap. 六本木, wörtlich: sechs Bäume). Nach einem kontinentalen Frühstück im Hotel ging es gestärkt und zu Fuß in Richtung Roppongi Hills, ein Megakomplex im Zentrum des Distriktes der für 2,5 Milliarden Dollar erbaut wurde. Am besten lässt sich Roppongi Hills als eine Stadt in einer Stadt beschreiben. Der Komplex ist so weitläufig, dass es wirklich schwer war den Überblick zu behalten. Neben der eindrucksvollen vertikalen Bauwerken finden sich hier aber auch weitläufige Flächen, schön angelegte Gärten und ausgiebige Terassen, die zum Entspannen einladen. Das Publikum hier ist eher jung und hip, das spiegelt sich auch in den unzähligen Cafes und Restaurants wider, die so garnicht japanisch daherkommen und eher internationales Publikum anziehen. Warum wurde uns erst später bewusst, denn in unmittelbarer Nähe finden sich zahlreiche Botschaften allerlei Länder.
Die Deutsche Botschaft ist nur ein paar Gehminuten entfernt und der Weg führt durch den Prinz-Arisugawa-Gedächtnispark. Ich glaube wir haben ein Faible für Parks, denn jedes Mal wenn wir einen durchqueren dauert das Stunden. Und so war es bereits früher Abend als wir die deutsche Botschaft erreichten. Keine Ahnung was wir uns erwartet haben, aber so wie wohl jede Botschaft war auch die deutsche durch Mauern abgeschirmt. Aber wie sagt man so schön: Der Weg ist das Ziel.
Auf dem Rückweg hatten wir das Glück noch einmal die Sonne zu genießen, denn es war den ganzen Tag bewölkt und hatte leicht geregnet. Ein atemberaubender Urlaub geht hier zu Ende. Wir freuen uns darauf unsere Erlebnisse mit unserer Familie und Freunden zu Teilen und eins ist klar: Wir kommen wieder!